Die Energiewende und die großen Versorger

Die großen Energieversorger Deutschlands reagierten zunächst ablehnend auf die Energiewende, während kleinere Lieferanten und Stadtwerke die Bundesregierung überwiegend sofort nach der entsprechenden Ankündigung unterstützt hatten. Die Ursache für die Reaktion der großen Versorger war nicht, dass sie keinen Ökostrom anbieten, entsprechende Tarifoptionen lassen sich schon seit vielen Jahren bei jedem Versorger finden. Vielmehr wehrten sich die großen Energieversorger gegen die Energiewende, weil ihre Konzerne auch in der Energieerzeugung tätig sind und in diesem Bereich Atomkraftwerke betreiben. Die Stadtwerke konnten der Bundeskanzlerin bei der Energiewende sofort zustimmen, da sie ihren Strom entweder in kleinen Kraftwerken und oft aus erneuerbaren Energien selbst erzeugen oder bei einem der großen Stromerzeuger einkaufen. Die Stadtwerke können sich darauf verlassen, dass ihre Vorlieferanten weiterhin Strom erzeugen – wenn nicht in Atomkraftwerken, dann durch andere Energieträger. Gleichzeitig haben viele Stadtwerke ihre eigene Energieerzeugung aus regenerativen Trägern sofort nach der Ankündigung der Energiewende ausgeweitet. Die dezentrale Struktur der innerstädtischen Stromerzeugung ermöglichte diesen Schritt. Für Lieferanten, welche ausschließlich mit Strom handeln und keine eigene Erzeugung vornehmen, wirkt sich die Energiewende nur indirekt aus. Sie kaufen auf Grund des veränderten Angebotes mehr Strom aus erneuerbaren Energien ein und verändern entsprechend die Stromkennzeichnung ihrer Energielieferung, Sorgen wegen der weiteren Verwendung eigener Kraftwerke müssen sie sich nicht machen.

Stellvertretend für alle großen Versorger preschte der damalige RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann vor und drohte, wegen der Energiewende auf Schadenersatz zu klagen. Die starke Kritik, welche auch RWE-Aktionäre äußerten, wurde von den anderen großen Energieunternehmen wahrgenommen, so dass sie auf vergleichbare Meinungsäußerungen verzichteten. Die Kosten für die Energiewende wirken sich während der nächsten Jahre auf die Dividenden der großen Energieunternehmen aus. Im Gegensatz zu fast allen DAX-Unternehmen mussten E.ON und RWE ihre Dividendenzahlungen spürbar verringern. Weder bei E.ON noch bei RWE führte die Dividendensenkung zu Protesten; die Aktionäre haben vielmehr die verringerte Ausschüttung angenommen. Sie akzeptieren, dass auch sie ihren finanziellen Beitrag zur Energiewende leisten müssen. RWE plante glücklicherweise ohnehin einen Wechsel an der Konzernspitze, der neue Vorstandsvorsitzende Peter Terium äußerte sich positiv zu erneuerbaren Energien und erklärte den Rückzug des RWE-Konzernes aus allen ausländischen Beteiligungen an Atomkraftwerken; E.ON hat zumindest in Großbritannien auf den geplanten Neubau eines Atomkraftwerkes verzichtet.