RWE unter neuer Leitung

Peter Terium ist seit dem ersten Juli 2012 Vorstandsvorsitzender der RWE. Seine Ansichten weichen deutlich von den Auffassungen seines Vorgängers Jürgen Großmann ab. Der neue RWE-Chef wurde 1963 im niederländischen Nederweert geboren und hat sich bei der Eingliederung von Essent in die RWE-Gruppe bewährt. Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen der Fusion hat er auch auf die schwierige Gefühlslage vieler Essent-Mitarbeiter geachtet, die sich aus der Übernahme eines niederländischen durch ein deutsches Unternehmen ergab. Bei der Entscheidung für den neuen Vorstandsvorsitzenden bevorzugten kommunale RWE-Anteilseigner jedoch Rolf Martin Schmitz, dieser bildet in der nominellen Funktion des Stellvertreters eine Doppelspitze mit Peter Terium.

Bereits die ersten Äußerungen Peter Teriums nach seiner Ernennung zum RWE-Vorstandsvorsitzenden ließen aufhorchen. Während Jürgen Großmann vehement den Atomstrom verteidigt hatte, bekennt sich Peter Terium zum Atomausstieg und zur von seinem Vorgänger kritisch gesehenen Solarenergie. Tatsächlich hatte die RWE auch unter der Führung Jürgen Großmanns ihre Anstrengungen im Bereich erneuerbarer Energien deutlich ausgeweitet, die Öffentlichkeit nahm aber eher die Aussagen zugunsten der Atomkraft und der Kohle wahr. Am meisten verärgerte Jürgen Großmann die deutsche Bevölkerung und ihre Politiker, als er sich 2011 unmittelbar nach dem Kernkraftwerksunglück in Japan für das Festhalten an der Atomkraft aussprach. Er behauptete zwar, im Interesse der Aktionäre gehandelt zu haben; diese äußerten sich aber entweder nicht oder widersprachen ihrem Vorsitzenden ausdrücklich. Peter Terium hat hingegen den weltweiten Ausstieg der RWE aus der Atomkraft angeordnet. Damit verzichtet der Konzern auch in den Ländern, welche noch keinen Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen haben, auf diese.

Jürgen Großmann hat erfolgreich eine aufkommende wirtschaftliche Schieflage des RWE-Konzernes vermieden. Er hat durch ungeschickte öffentliche Äußerungen jedoch das Ansehen des Unternehmens bei Verbrauchern und kommunalen Anteilseignern verschlechtert. Peter Terium steht vor der wirtschaftlich schwierigen Aufgabe, die Abkehr von der Atomenergie und den forcierten Aufbau erneuerbarer Energien ohne einen übermäßig großen Gewinneinbruch zu bewältigen. Mit Sicherheit erreicht er eine Verbesserung des Images seines Unternehmens, da seine Äußerungen der Politik der Bundesregierung und den Erwartungen der Bevölkerung an einen modernen Energieversorger entsprechen. Die RWE-Aktionäre akzeptieren eine vorübergehende Verringerung ihrer ohnehin recht hohen Dividende, wenn diese mit einem Image-Gewinn verbunden ist. Sie haben erkannt, dass für einen langfristigen Unternehmenserfolg und eine künftige Dividendenrendite das Image ihres Energieversorgers bedeutsam ist.